St. Nikolaus Gesellschaft Urdorf

Die Geschichte vom kleinen Tannenbaum Drucken E-Mail

Mitten im Wald stand ein kleiner Tannenbaum. Er freute sich, wenn
ein Buchfink oder eine Meise auf seinen Ästen sass und zwitscherte
oder an irgendetwas herumpickte. Er freute sich, wenn der Wind durch
seine Nadeln fuhr, wenn der Regen den Boden nass machte oder die
Sonne goldene Flecken auf den Moosboden unter den Ästen malte.
Und er betrachtete so gern die hohen Tannen im Wald, die knorrigen
Äste der Eichen und die frischen grünen Riesenblätter der Kastanien.
Besonders schön war es, wenn im Frühling die Kastanienbäume ihre
hellen Blütenkerzen trugen.
"So schön werde ich nie aussehen!" dachte der kleine Tannenbaum.
Als es Winter wurde, kamen die Holzfäller. Kreischend fuhren die
Sägen in die Stämme der hohen Tannen. Ächzend und krachend
stürzten sie zu Boden.
"Wenn das bloss mir nicht passiert!" dachte der kleine Tannenbaum.
"Ich hab so Angst davor!"
"Du brauchst keine Angst zu haben", flüsterten da plötzlich die
kleinen Tannenzwerglein, die unter dem Bäumchen tief in der Erde
wohnten. "Wir helfen dir. Wir sagen den Sternenengeln Bescheid. Du
musst dir ganz fest wünschen, dass keine böse Axt deinen Stamm
berühren darf. In den Weihnachtstagen fliegen die Sternenengel durch
den Wald und hören sich die Wünsche der Tiere und Pflanzen an. Und
meistens gehen diese Wünsche in Erfüllung."
"Danke, liebe Tannenzwerglein!" flüsterte die kleine Tanne. "Erzählt
mir doch noch mehr von den Weihnachtstagen! Was passiert denn
da?"
"Die Menschen holen sich die duftenden Tannen aus dem Wald in ihre
Stuben", sagten die Tannenzwerglein. "Und sie schmücken sie
wunderbar mit Sternen, Kugeln und Kerzen."
"Solche Kerzen, wie sie die Kastanienbäume im Frühling haben?"
fragte der kleine Tannenbaum.
"Noch viel, viel schöner!" sagten die Tannenzwerglein. "Warte nur
ab!"
In der nächsten Vollmondnacht sah der kleine Tannenbaum ein
silbernes Glänzen und Glitzern zwischen den Tannenwipfeln, und er
hörte eine ganz leise, feine Musik. Da flüsterte er seinen grossen
Wunsch in die Nacht hinein.
Am nächsten Tag kamen ein Mann und eine Frau mit zwei kleinen
Kindern in den Wald. Der Mann trug eine Säge und einen grossen
Spaten. Er ging von Tanne zu Tanne und sah sich jede genau an.
"Komm hierher, Vater", rief das kleine Mädchen, "schau mal! Hier
hängt ja ein silbernes Engelshaar zwischen den Zweigen! Ja wirklich!
Dieses hübsche kleine Bäumchen kannst du bestimmt ausgraben,
Vater!"
So ist es gekommen, dass der kleine Tannenbaum in einem grossen
Topf voll guter Erde in einem schön geschmückten
Weihnachtszimmer stehen durfte. Und er selber wurde von der ganzen
Familie geschmückt mit vielen leuchtenden Kerzen und Kugeln, aber
auch mit Engelshaar. Oben auf der Spitze breitete ein goldener Engel
seine Flügel aus. Wie schön hatte es das Tannenbäumchen, als die
Familie Weihnachten feierte und an seinen Ästen die Kerzen
flackerten, die tatsächlich noch viel schöner waren als die Blüten der
Kastanienbäume!
Nach dem Fest grub der Vater den kleinen Tannenbaum im Garten ein.
Der überglückliche Baum streckte seine Zweige aus und freute sich,
wenn die Meisen und Buchfinken an den kleinen Futtersäcklein
herumpickten, welche die Kinder an seine Äste hängen durften.


Anmerkung: Vielleicht darüber sprechen, dass nicht einfach jeder in
den Wald gehen und sich einen Tannenbaum aussuchen darf. In dieser
Geschichte ist es anders als bei uns in Urdorf.